70 Jahre Kriegsende

Plakat

Plakat zum Konzert Johann Christian Bach - Requiem vom 22. November 2015: Oranges Plakat, oben ein schwarzes Quadrat mit dem Titel "Johann Christian Bach - Requiem" in oranger und den Programminformationen in  weißer Schrift, darunter in schwarzer Schrift das Logo der KonkordienkantoreiTotensonntag, 22. November 2015, 17.00 Uhr in der CityKirche Konkordien, Mannheim

 

 

 

 

 

 

Aufgeführt wurden die Missa da Requiem von Johann Christian Bach und die Trauermotette Wie liegt die Stadt so wüst von Rudolf Mauersberger.

 

 

 

 

 

 

Der Londoner Bach und das wiederentdeckte Requiem

Johann Christian Bach (1735-1787) war der jüngste Sohn Johann Sebastian Bachs - das 11. von 13 Kindern. Er erhielt seinen ersten musikalischen Unterricht durch seinen Vater. 1750, nach dessen Tod, zog er nach Berlin zu seinem Halbbruder Carl Philipp Emanuel Bach. Dieser, Kammercembalist bei König Friederich II., bildete ihn zu einem hervorragenden Pianisten aus.

1754 trat Johann Christian in die Dienste des Grafen Agostino Litta in Italien. Wahrscheinlich war der Kontakt über Berliner Musikerfreunde entstanden. Der Graf unterstütze seine weitere musikalische Ausbildung und ermöglicht ihm ein Kontrapunktstudium bei dem großen Padre Giovanni Battista Martini (auch Wolfgang Amadeus Mozart sollte später bei ihm Unterricht erhalten). Bach lernte den italienischen Vokalstil Palestrinas kennen, z. B. das filigrane Komponieren auf einem stabilen Bass. Wir können diese Kompositionstechnik gleich zu Beginn des Requiems finden: Die Chorbässe musizieren einen ambrosianischen Gesang (aus der Mailänder Liturgie), die Tonlängen sind augmentiert (erweitert) und über ihm musizieren sechs weitere Stimmen, die sich fein und geschmeidig umeinander winden. Es entsteht ein großer, feierlicher und beweglicher 7-stimmiger Chorsatz.

Wir wissen, dass das Requiem 1757 in San Fedele in Mailand im Rahmen eines Gottesdienstes aufgeführt wurde, es ist dann aber in Vergessenheit geraten.

Bach wurde 1760 Organist am Dom in Mailand. Dazu konvertierte er zum Katholizismus. Sein Halbbruder Carl Philipp Emanuel goutierte diesen Wechsel nicht, er distanzierte sich von seinem Bruder.

Während seiner italienischen Zeit komponierte Bach geistliche Musik, Opern und Instrumentalmusik. Sein wachsender Ruhm wurde auch in London wahrgenommen, sodass die englische Königin Sophie Charlotte ihn als persönlichen Musiklehrer engagierte. Bach reiste 1762 von Mailand nach London und ließ sich in Italien für ein Jahr beurlauben, er kehrte niemals wieder zurück. Neben diversen Sinfonien schrieb er auch ein Oratorium und einige Opern. Mit zum Höhepunkt seiner Karriere als Opernkomponist gehörte die Aufführung von „Temistocle“ am 5.11.1772 in Mannheim, die der Kurfürst Carl Theodor in Auftrag gegeben hatte. Eine weitere Opernpremiere für das Hoftheater in Mannheim folgte am 20.11.1776 mit der Oper „Lucio Silla“.

Johann Christian Bach starb am 1.1.1782 nach gesundheitlich angeschlagenen Jahren in Paddington.

Das Requiem, das uns nun durch Notenmaterial des RIAS-Kammerchors wieder zugänglich gemacht wurde, besticht durch den hörbaren Umbruch der Tonsprache vom Barock zur Frühklassik. Johann Christian Bach ist verwurzelt in der italienischen Kontrapunktik mit ihrer speziellen, pyramidenähnlichen Klangschichtung, doch seine Affinität zur Oper ist nicht zu überhören. Zauberhafte Melodien, ein hoher Affektgehalt in den Arien, differenzierte und textausdeutende musikalische Elemente, die die alte Form sprengen und das „Neue“ etablieren, gehören zu seiner Musiksprache.

Dieses Requiem wird ganz sicher Eingang finden in das Repertoire der Kirchenchöre. Ich freue mich, dass wir in Mannheim das völlig unbekannte Werk am Totensonntag 2015 aufführen konnten.

Ausführende waren Sabine Götz (Sopran), Ruth Sandhoff (Alt), Sebastian Hübner (Tenor), Markus Flaig (Bass), La Banda Augsburg (auf historischen Instrumenten) und die Konkordien-Kantorei Mannheim. Die Leitung hatte Heike Kiefner-Jesatko.